Anwaltssekretariat
Ein Anwaltssekretariat ist die zentrale administrative Stelle einer Kanzlei, die Anrufe annimmt, Termine koordiniert, Akten verwaltet und die Schnittstelle zwischen Mandanten und Anwälten bildet. In kleinen Kanzleien oft eine Halbtagskraft, in größeren Sozietäten ein eigenes Team.
Das Anwaltssekretariat ist die operative Mitte einer Kanzlei. Es nimmt Anrufe an, koordiniert Termine, führt Akten, überwacht Fristen, bereitet Schriftsätze vor und ist für Mandanten oft die erste und häufigste Ansprechperson. In Einzelkanzleien ist das eine Halbtagskraft, in mittleren Einheiten ein bis drei Personen, in Sozietäten ein eigenes Team mit Spezialisierung.
Das tatsächliche Aufgabenprofil
Wer über Sekretariatsentlastung nachdenkt, sollte die Aufgaben zuerst trennen. Sie verhalten sich sehr unterschiedlich.
- Telefonannahme und Erstkontakt mit potenziellen Mandanten
- Terminkoordination, Kalenderpflege, Raumplanung
- Aktenanlage und Aktenführung in der Kanzleisoftware
- Fristenkalender und Wiedervorlagen
- Posteingang, beA-Bearbeitung, Ausgangspost
- Schriftsatzvorbereitung, Diktate, Formatierung
- Abrechnung nach RVG, Rechnungsstellung, Mahnwesen
Die Telefonannahme fällt aus dieser Liste heraus. Sie ist die einzige Aufgabe, die nicht planbar ist, jederzeit unterbricht und trotzdem sofort bearbeitet werden muss. Alles andere lässt sich stapeln.
Was ein Sekretariat wirklich kostet
Das Bruttogehalt ist nur ein Teil der Rechnung. Realistisch einzukalkulieren sind Arbeitgeberanteil zur Sozialversicherung, Urlaubs- und Krankheitstage, Arbeitsplatz, Hardware, Softwarelizenzen und Einarbeitungszeit.
Daraus ergibt sich als Erfahrungswert: eine Halbtagskraft mit 20 Wochenstunden kostet 1.600 bis 2.400 Euro im Monat, eine Vollzeitkraft 4.000 bis 5.400 Euro.
Diese Kosten sind weitgehend fix. Sie steigen nicht, wenn wenig los ist, und sie decken auch nicht mehr ab, wenn viel los ist. Genau darin liegt die strukturelle Schwäche: das Anrufaufkommen schwankt, die Personalkapazität nicht.
Die drei Lücken, die jedes Sekretariat hat
Randzeiten. Ein Sekretariat arbeitet zu Bürozeiten. Anrufe kommen aber auch abends, am Wochenende und an Feiertagen. Ein spürbarer Anteil der Erstanfragen fällt genau in diese Fenster.
Parallelität. Klingelt es zweimal gleichzeitig, geht ein Anruf verloren. Bei Gerichtsterminen, Mittagspause oder Krankheit fällt die Annahme ganz aus.
Unterbrechung. Jeder eingehende Anruf reißt aus einer laufenden Aufgabe. Bei Fristenarbeit ist das nicht nur unangenehm, sondern ein Fehlerrisiko.
Diese Lücken schließt man nicht durch mehr Personal, sondern durch eine andere Aufgabenteilung. Wer nur Anrufe abfangen will, braucht keine zweite Vollzeitstelle.
Alternativen und Ergänzungen
Vier Modelle sind in deutschen Kanzleien verbreitet. Eine zweite Sekretariatskraft löst die Parallelität, aber nicht die Randzeiten, und verdoppelt die Fixkosten. Eine Rufbereitschaft im Team deckt die Randzeiten ab, belastet aber die Privatzeit der Mitarbeitenden. Ein externer Telefonservice übernimmt Anrufe rund um die Uhr, rechnet aber pro Anruf oder Minute ab und arbeitet ohne juristische Vertiefung.
Das vierte Modell ist ein KI-Telefonassistent für die Anrufannahme. Er kostet bei LexDial zwischen 69 und 329 Euro im Monat, ist rund um die Uhr verfügbar, nimmt beliebig viele Gespräche parallel an und übergibt strukturierte Fallnotizen. Er vergibt keine Mandatstermine, sondern nimmt Rückrufwünsche auf.
In der Praxis führt das selten zu Ersatz und meistens zu Arbeitsteilung: die KI nimmt ab, das Sekretariat arbeitet ohne Dauerunterbrechung weiter.
Wie Kanzleien die Aufgaben neu verteilen
Wer entlasten will, sortiert zuerst nach Unterbrechbarkeit. Aufgaben, die sich stapeln lassen, bleiben beim Sekretariat: Akten, Fristen, Post, Abrechnung. Aufgaben, die sofort passieren müssen, wandern nach vorne.
Bewährt hat sich eine einfache Staffel. Tagsüber nimmt das Sekretariat ab, die KI springt nur ein, wenn nach einigen Klingeltönen niemand reagiert. Abends und am Wochenende übernimmt die KI vollständig. Notfälle werden unabhängig davon sofort an eine hinterlegte Mobilnummer durchgestellt.
Das Ergebnis ist keine neue Rollenverteilung im Team, sondern eine ruhigere. Das Sekretariat bearbeitet morgens eine sortierte Liste statt zwanzig unterbrochener Vorgänge, und kein Erstanrufer landet mehr im Leeren.
Kurz beantwortet
- Wie viele Anrufe bearbeitet ein Kanzleisekretariat pro Tag?
- Je nach Größe und Rechtsgebiet zwischen 10 und 60. Entscheidend ist weniger die Zahl als die Verteilung: Anrufe kommen in Wellen, oft genau dann, wenn das Sekretariat gebunden ist.
- Lohnt sich eine zweite Sekretariatskraft nur für das Telefon?
- Selten. Eine zusätzliche Halbtagskraft kostet 1.600 bis 2.400 Euro im Monat und deckt weiterhin nur Bürozeiten ab. Für reine Anrufannahme ist das teuer eingekauft.
- Verlieren Mandanten den persönlichen Kontakt?
- Nur, wenn die Aufteilung falsch gesetzt ist. Üblich ist: Bestandsmandanten und persönliche Anliegen laufen weiterhin über das Sekretariat, Erstanfragen und Randzeiten über die KI.
- Was bleibt beim Sekretariat, wenn eine KI abnimmt?
- Alles, was Kanzleiwissen erfordert: Akten, Fristen, beA, Abrechnung, Mandantenbetreuung. Weg fällt vor allem die Unterbrechung durch Erstanrufe und Werbung.
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Verwandte Begriffe
- TelefonsekretärinTelefonsekretärin ist eine ältere Bezeichnung für die Person, die in einer Kanzlei primär für die Anrufannahme zuständig ist. Heute wird die Rolle entweder von einer Sekretariatskraft im Mehraufgabenprofil übernommen, einem externen Telefonservice ausgelagert oder durch einen KI-Telefonassistenten ergänzt.
- Externes TelefonsekretariatEin externer Telefonservice (auch virtuelles Sekretariat oder Anrufannahme-Dienst) nimmt Anrufe im Namen einer Kanzlei entgegen, ohne selbst Teil der Kanzlei zu sein. Die Mitarbeitenden arbeiten in Call-Centern, bedienen typischerweise mehrere Kunden parallel und folgen den Skripten und Vorgaben der jeweiligen Kanzlei.
- Sekretariatskosten in der KanzleiEine Vollzeit-Sekretariatskraft kostet inklusive Arbeitgeberanteil zur Sozialversicherung, Urlaub, Krankheit und Arbeitsplatz typischerweise 4.000 bis 5.400 Euro monatlich. Eine Halbtagskraft mit 20 Wochenstunden liegt bei 1.600 bis 2.400 Euro. Die Kosten sind weitgehend unabhängig vom Anrufvolumen.
- KI-Sekretärin und KI-SekretariatKI-Sekretärin (auch KI-Sekretariat) ist eine umgangssprachliche Bezeichnung für einen KI-Telefonassistenten, der die telefonischen Aufgaben einer klassischen Sekretariatskraft übernimmt: Anrufe annehmen, qualifizieren, Anliegen dokumentieren und Rückrufwünsche festhalten. Im Unterschied zum Menschen ist die KI 24/7 verfügbar und arbeitet mit konsistenter Qualität.
- KI-TelefonassistentEin KI-Telefonassistent ist eine Software, die eingehende Anrufe einer Anwaltskanzlei automatisch entgegennimmt, in natürlicher Sprache mit dem Anrufer kommuniziert und das Anliegen strukturiert dokumentiert. Im Gegensatz zu einem klassischen Anrufbeantworter führt er ein echtes Gespräch, erkennt Rechtsgebiete und Dringlichkeit und übergibt dem Kanzleiteam eine durchsuchbare Fallzusammenfassung.
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